Der Weg zum inklusiven Platz an der weiterführenden Schule

(Stand: Januar 2019)

Inklusion Aachen Schule Spiel Behinderung

Ab dem Schuljahr 2019/20 treten einige Änderungen in Bezug auf Inklusion an weiterführenden Schulen in Kraft:

  • Gymnasien dürfen in der Regel keine zieldifferenten Förderkinder mehr aufnehmen. (In Aachen betrifft das das Anne-Frank-Gymnasium.)
  • Bei allen weiterführenden Schulen wird streng in solche mit und solche ohne Gemeinsames Lernen unterschieden. GL-Schulen nehmen pro Eingangsklasse 3 FörderschülerInnen auf. Ihre Anzahl wird so begrenzt, dass es keine Überkapazität in der Region gibt. Diese sogenannte Bündelung soll Ressourcen sparen und wird dazu führen, dass es weniger Inklusionsschulen geben wird.

Schon bisher ist es so, dass bei Förderkindern wie bei Regelschülern der Andrang an einigen beliebten Schulen hoch ist. Dieser Konkurrenzdruck wird durch die Verknappung der Plätze sicher nicht besser. Genauso wenig wie die schon jetzt ungleiche räumliche Verteilung der Schulen.

 

 

Es bleibt jedoch dabei, dass der Regelförderort für Kinder mit Behinderung die Regelschule ist und sie (bis auf einige Ausnahmen) ein Recht auf einen inklusiven Schulplatz haben.

 

Die Entscheidung, an welcher Schule ein Kind letztlich angenommen wird, liegt allerdings weder bei den Eltern noch bei der Schulleitung sondern zunächst bei der Inklusionsrunde der Stadt. Diese setzt sich aus Schulleitern und Verwaltungsbeamten zusammen und bemüht sich nach eigenen Angaben die Förderkinder pädagogisch und pragmatisch sinnvoll auf die inklusiven Plätze zu verteilen. Angeblich werden sowohl der Elternwille als auch die Wünsche der aufnehmenden Schulen berücksichtigt, aber nach unserer Erfahrung ist das Hauptkriterium der Schulweg.

Dies sollte man bei der Auswahl der Wunschschule taktisch berücksichtigen, denn anders als bei Regelschülern gibt es für Inklusionskinder keine Möglichkeit einen Zweitwusch anzugeben.

 

Zunächst zum Prozedere der Anmeldung:

Im Herbst ermittelt die Stadt für alle inklusiv beschulten 4.-Klässler, welche weiterführende Schulform die Eltern für ihr Kind wünschen. Dieser Termin liegt vor allen Tagen der Offenen Tür der weiterführenden Schulen, so dass es sinnvoll ist, diese zur Meinungsfindung schon zu besuchen, wenn das Kind in der 3. Klasse ist. Die Angaben sind allerdings nicht verbindlich, sie dienen der Stadt als Planungsgrundlage.

Verbindlich wird es mit der Anmeldung an einer bestimmten Schule. Mit dieser drücken Sie gleichzeitig Ihren Schulwunsch aus. Dazu gibt es bestimmte Anmeldezeiten, die Sie bei der Stadt oder bei der Schule erfahren können.

Im Frühjahr tagt dann die sogenannte Inklusionsrunde. Diese verteilt die (inklusiven) Schulplätze für alle Förderkinder und teilt sie den Eltern möglichst bis zu den Osterferien mit. In diesem Brief werden in aller Regel zwei Schulen angeboten: eine Regelschule und eine Förderschule. An diesen beiden Schulen ist ein Platz garantiert. Die Eltern können aber auch an einer anderen GL-Schule anmelden, sollten Sie eine finden, die dann noch Plätze frei hat und das Kind annimmt.

 

Sollte Ihr Kind zielgleich gefördert werden, haben Sie immerhin das Recht, die Schulform zu wählen.

 

 

Zur Orientierung hier eine Aufstellung der weiterführenden Schulen in Aachen, die schon inklusiv arbeiten:

Weiterführende Schulen in Aachen mit Gemeinsamem Lernen

(Stand Januar 2019)

 

Gesamtschulen:

 

Gesamtschule Aachen Brand:

◦ Erfahrung mit Integration/Inklusion seit ca. 25 Jahren

◦ nimmt prinzipiell alle Förderschwerpunkte auf

◦ Schulsozialarbeit

◦ Beschulung entweder in inklusiven Klassen mit mehreren Förderkindern und überwiegend Doppelbesetzung 

oder als Einzelintegration

◦ 2 Aufzüge

◦ Trägerin des Gütesiegels „Individuelle Förderung“

 

Heinrich-Heine-Gesamtschule

◦ arbeitet seit 7 Jahren inklusiv

◦ Schulsozialarbeit

 

Maria Montessori Gesamtschule Aachen

◦ seit 2007 zielgleiche in den letzten Jahren auch zieldifferente Förderung

◦ zur Zeit 90 Kinder mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung mit den Förderschwerpunkten Sehen, Hören und Kommunikation, körperlich-motorische Entwicklung, Lernen und

emotionale und soziale Entwicklung mit Schwerpunkt auf dem Asperger-Syndrom

◦ barrierefrei

◦ Schulsozialarbeit

 

4. Aachener Gesamtschule

◦ besteht seit 2011, arbeitet seit 2012 inklusiv

◦ hat bislang Förderschüler mit den Schwerpunkten „Lernen“, „emotionale und soziale Entwicklung“ und „Sprache“,

ist aber offen für andere Förderschwerpunkte

◦ alle Schüler lernen in ihrem individuellen Tempo in offenen Lernangeboten

◦ barrierefrei

◦ Schulsozialarbeit

 

 

 

Hauptschulen:

Alle Hauptschulen nehmen seit Jahren Kinder mit Förderbedarf auf. Von allen Schulformen haben sie die höchste Inklusionsquote.

 

Hauptschule Drimborn

◦ arbeitet seit 2009/2010 integrativ

◦ 60 von 400 SchülerInnen haben Förderbedarf

◦ das sind zur Zeit die Schwerpunkte: „Lernen“, „geistige Entwicklung“, „emotionale und soziale Entwicklung“,

  „Sprache“, „Sehen“, „körperlich motorische Entwicklung“

◦ großer Anteil offener, binnendifferenzierender Unterrichtsformen

◦ Schulsozialarbeit

 

GHS Burtscheid (auslaufend geschlossen, Anmeldungen also nur noch für Quereinsteiger möglich)

◦ seit 1999/2000 Kooperation mit der Marienschule (Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale

  Entwicklung)

◦ Schulsozialarbeit

 

GHS Aretzstraße

◦ viele Schüler mit individuellem Förderbedarf

◦ Schulsozialarbeit

 

 

Realschulen:

Alle Aachener Realschulen sind formal GL-Schulen. Sie nehmen zielgleiche Förderschüler auf. Von allen Schulformen haben Realschulen die homogenste Schülerstruktur.

 

Alkuinschule (wird geschlossen)

Hugo-Junkers-Realschule

Luise-Hensel-Realschule

 

 

 

Gymnasien:

 

• Anne-Frank-Gymnasium

◦  2013/14 Einrichtung einer integrativen Klasse mit zieldifferenten SchülerInnen und weitgehender

   Doppelbesetzung

◦  Durch die Neuregelung jetzt nur noch zielgleiche Inklusion..

 

• Couven Gymnasium

◦ gute Erfahrung mit der zielgleichen Inklusion von SchülerInnen mit Autismus

◦ Schulsozialarbeit

 

• Geschwister-Scholl-Gymnasium

◦ zielgleiche Inklusion

◦ Schulsozialarbeit

 

• Amos Comenius Schule (kostenpflichtiges privates Gymnasium)

◦ Einzelintegration von SchülerInnen meist mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“

◦ viel Erfahrung mit SchülerInnen mit Autismus

◦ kleine Klassen